Liebe Weihekandidaten mit euren Ehepartnerinnen und Familien, mit Verwandten und Freunden! Liebe Schwestern und Brüder!
Die Geschichte von der Berufung des Samuel, die wir in der Lesung gehört haben, bewegt mich immer wieder. Dreimal ruft Gott den Samuel und er weiß es nicht zu deuten. Ich denke die Zahl drei ist wichtig auch für eure Berufung und euren Dienst. Ich möchte kurz ausführen warum.
Ihr habt ähnlich wie Samuel erlebt, dass Gott euch ruft. Auf ganz unterschiedliche Weise. Vielleicht ist es euch am Anfang auch so gegangen wie dem jungen Samuel, dass ihr nicht recht gewusst habt: Wo will mich Gott? Wohin ruft er mich? Wo braucht er mich? Das war der erste Schritt.
So wie Samuel beim erfahrenen Priester Eli in die Schule gegangen ist, so war der Diakonenkurs für euch eine Zeit Lernens, begleitet und mitgetragen von euren Ehepartnerinnen und Familien. Menschlich und spirituell, theologisch und fachlich seid ihr gewachsen und gereift und eure Berufung und euer Weg ist klarer und fester geworden. Das war der zweite Schritt.
Mit der Weihe sagt heute die Kirche ganz offiziell „Ja“ zu euch und diese feierliche Weihe erinnert daran: Es gibt in der Kirche keine privaten Berufungen. Jede Berufung ist eine Berufung hinein in die Gemeinschaft der Kirche. Der Dienst, den ihr heute übernehmt ist ein Dienst für die Menschen, für das Volk Gottes.
Das persönliche Berufungserlebnis, der Prozess der Klärung und Ausbildung und die Weihe – drei wichtige Schritte auf eurem Weg.
Einen anderen Dreischritt und Dreiklang sehe ich in der Aufgabe und im Dienst des Diakons: Dienst am Wort, Dienst am Altar und Dienst an den Armen, Dienst an den Menschen.
Ich durfte als Administrator im Jänner 2025 mit euch die Beauftragung zum Lektorat und Akolythat feiern und habe damals in der Predigt gesagt – ihr wisst das sicher alle noch ganz genau:
„Ihr seid auf dem Weg zur Weihe. Der Dienst, den ihr als Lektoren und Akolythen in der Liturgie ausüben werdet, soll sich auswirken in eurem Leben und sichtbar machen, dass ihr in Gemeinschaft mit Jesus Christus lebt, der nicht gekommen ist, um sich bedienen zu lassen, sondern um zu dienen.“
Liebe Weihekandidaten, dient als Diakone dem Wort Gottes. Bevor ihr das Wort Gottes für andere verkündet und auslegt, stellt euch selber, stellt euer Leben unter das Wort Gottes.
Dient in der Liturgie am Altar und seht diesen Dienst nicht als Privileg, das euch über die sogenannten „Laien“ erhebt. Denn die besondere Stellung eines Diakons gibt es nicht. Es gibt nur die besondere innere Haltung und Ausrichtung des Diakons, die an Jesus Christus den Diener der sich hingegeben hat immer neu Maß nimmt.
Und dann auch der Dienst an den Armen, der Dienst an den Menschen: In der frühen Kirche wurde der Diakon das Auge des Bischofs, ja sogar das Auge Gottes genannt. Warum? Weil der Diakon mitten in der Welt lebt. Viele von euch sind Familienväter, haben Kinder, ihr seid im Berufsleben. Ihr kennt die Fragen und Sorgen der Menschen, ihr seid nahe dran. Ihr könnt Auge des Bischofs, Auge Gottes sein, weil ihr die Menschen seht und ihre Sorgen, weil ihr an die Ränder gehen könnt. Nahe bei den Menschen zu sein.
Ihr übernehmt heute einen dreifachen Dienst: Den Dienst am Wort, den Dienst am Altar, den Dienst an den Armen, den Dienst für die Menschen.
Und noch ein letzter Dreiklang, der mit der Freundschaft zu tun hat, von der Jesus im Evangelium redet. „Ihr seid meine Freunde“.
Ich habe euch in den letzten Jahren kennengelernt als einen Weihejahrgang, der wirklich eine gute Gemeinschaft bildet und wo im Laufe der Jahre auch viele feste Freundschaften gewachsen sind. Auch wenn die Ausbildungszeit und eure regelmäßigen Treffen vorbei sind, bleibt in Kontakt miteinander. Nehmt euch immer wieder einmal Zeit für ein Treffen im Weihejahrgang, für Austausch, für Begegnung und gemeinsames Gebet! Stützt euch gegenseitig auf dem Weg und in eurem Dienst und bleibt als lernende Freunde weiterhin in Verbindung!
Ein zweiter Gedanke zur Freundschaft: Jesus Christus zum Freund haben, bedeutet auch mit seinen Freunden verbunden sein. Und wir wissen alle, das waren vor allem die Armen, die Kranken, die Verachtete, die Kleinen, die man leicht übersieht. Teilt eure Zeit immer wieder ganz bewusst mit Menschen, die oberflächlich gesehen nicht wichtig, nicht attraktiv, nicht erfolgreich sind. Dazu wird an euren Einsatzorten in der Pfarre, im Spital oder Pflegeheim, bei der Caritas oder im beruflichen Alltag viele Möglichkeiten geben.
Sucht euch Freunde außerhalb der Kirche, geht an die Ränder und fragt euch immer wieder: Wie viele Freunde habe ich unter den Armen und Verachteten?
Und ein Letztes zur Freundschaft: Viele von euch leben als verheiratete Diakone das Sakrament der Ehe und der Weihe und wissen es als Eheleute ganz hautnah und konkret: Kennen und lieben gehören immer zusammen. Wer einen anderen Menschen wirklich kennen möchte, muss ihm mit Liebe und Wohlwollen begegnen und nur wer jemanden wirklich liebt, kennt ihn auch.
Jesus Christus kennen, Jesus Christus lieben, mit ihm vertraut sein, das gewinnt heute mit dem Sakrament der Weihe noch einmal eine neue Dimension und Tiefe, die weit über theologisches Bescheid wissen und kennen hinausgeht. Im Sakrament der Weihe schenkt sich Christus euch selbst. Er, der Knecht Gottes und der Diener der Menschen prägt sich ein in eure Persönlichkeit, in euer Wesen, in euer Leben.
Eure Aufgabe, liebe Brüder, ist es das, was heute in der Weihe geschieht täglich neu zu entfalten und sichtbar zu machen: Jesus Christus, die menschgewordene Liebe Gottes des Vaters soll durch euch erfahrbar werden.
Der dritte Dreiklang für euren Dienst: Freundschaft untereinander pflegen, die Freunde Jesu lieben, und die Freundschaft mit Christus täglich neu entfalten –
dann kann Wirklichkeit werden, was Jesus uns seinen Freunden im Evangelium verspricht:
Wir sollen Frucht bringen und unsere Frucht soll bleiben.